Blog Saison 2024

#2: Ein unvergessliches Rennen

08. - 11. Februar 2024: Mediterranean Epic, Oropesa del Mar (Spanien)

Am Donnerstag ging es los mit einem Einzelzeitfahren über 19km und 550hm. Knapp eine Stunde Vollgas geben war angesagt. Der erste Teil ist mit Ausnahme von zwei kleinen aber ziemlich steilen Rampen flach. Ich startete ziemlich schnell und drückte – zu meinem eigenen Erstaunen – in der Fläche ziemlich hohe Wattzahlen. Bei Kilometer 13 lag ich in Führung, ehe es die letzten 6 Kilometer nur noch berghoch ging. Eigentlich meine Stärke, aber ich musste ein bisschen für das hohe Anfangstempo büssen. Es reichte für Rang 2. 

Am Freitag ging es auf die erste lange Etappe mit 76km und 2200hm. Das Tempo war von Anfang an hoch und das Feld wurde schnell aussortiert. Im ersten langen Aufstieg setzte ich mich mit der Amerikanerin Hannah Otto ab und war lange Zeit alleine mit ihr an der Spitze. Dann, nach über drei Stunden, tauchte plötzlich meine Teamkollegin Rosa auf. «Bleib am Hinterrad», rief sie mir zu und lancierte gleich auch eine Attacke. Durch clevere Teamtaktik konnten wir Otto innerhalb kürzester Zeit abschütteln und wenig später zusammen die Ziellinie überqueren. Den Tagessieg überliess ich Rosa, die in der letzten Rennstunde unglaublich viel Führungsarbeit für mich geleistet hat. Ich konnte dafür das Leadertrikot ergattern. 

Im gelben Trikot ging es somit auf die dritte Etappe, die Königsetappe mit 105km und 2120hm. Leider hatte ich einen rabenschwarzen Tag. Meine Beine waren wie Steine und ich litt vom Start an. Wieder war es das Trio Hannah, Rosa und ich, welches sich schon früh vom Rest des Feldes absetzen konnte, doch ich hatte ziemlich Mühe, dem Tempo zu folgen. Bei Kilometer 40 im langen Aufstieg musste ich abreissen lassen. Und auch dem Tempo einer Fahrerin, die kurze Zeit später zu mir aufschloss und mir durch Windschatten geben helfen wollte, konnte ich nicht folgen. Wie ich das Kunststück schaffte, im Verlauf des Rennens wieder auf Platz 2 und 3 aufzuschliessen, ist mir bis heute ein Rätsel. Der Energieschub hielt eine Stunde an, bevor die 5. Rennstunde wieder ziemlich zäh wurde. Ich konnte dann zwar noch den Sprint um Rang 3 gewinnen, doch mein Leadertrikot verlor ich deutlich und fiel in der Gesamtwertung auf Rang 3 zurück. Trost des Tages, das Leadertrikot bleibt im Team und ich durfte es Rosa übergeben. 

Die Schlussetappe war mit 52km und 1150hm recht kurz und das Ziel war klar. Das Leadertrikot für Rosa zu verteidigen. Knapp eine Minute Vorsprung hatte sie auf Otto. Von Anfang an wurden Attacken gefahren und mein Job war es, dass Rennen so gut wie es ging zu kontrollieren, damit niemand davonziehen konnte. Ich litt ziemlich, verpasste in kurzen Rampen mehrmals den Anschluss, kämpfte mich aber in den Abfahrten immer wieder an die Spitze zurück. So konnte ich in den langen Flachstücken meiner Teamkollegin helfen, damit sie in meinem Windschatten fahren konnte, um später bei den entscheidenden Attacken noch genügend Körner zu haben. 10km vor Schluss ging es dann zur Sache, meine Beine waren leer und ich musste abreissen lassen. Als vierte überquerte ich die Ziellinie und konnte mir so den 3. Rang in der Gesamtwertung sichern. 

Obwohl ich mit dem Sieg in der Gesamtwertung liebäugelte (nach Rang 3 2022 und Rang 2 2023), fühlt sich dieser 3. Rang dieses Jahr wie ein Sieg an. Nach der langwieriger Verletzungsgeschichte im  letzten Jahr dauerte es bis anfangs Dezember, bis mein Körper wieder positiv auf Trainingsreize reagierte und auch Techniktrainings ohne Kopfschmerzen möglich waren. Es gab so viel Ungewissheit die letzten Monate. Nun kann ich endlich ein schwieriges Kapitel abschliessen und positiv auf die bevorstehende Saison schauen. Und so kamen sie im Ziel, die Emotionen, die Tränen der Erleichterung und Freude. 

Wout und Rosa auf Rang 1, ich auf Rang 3 und Pablo auf Rang 8 bei einem der wichtigsten Etappenrennen des Jahres. Viel besser hätte es für unser Team nicht laufen können. Wir hatten das Rennen durch eine ziemlich gute Teamleistung von Anfang bis zum Ende dominiert. Was für ein Privileg, ein Teil eines solchen Teams zu sein! 

 


#1: Sommersportler werden im Winter gemacht!

Beim Blick auf den Trainingsplan schlägt das Herz gerade etwas höher. Der Countdown läuft, in drei Wochen geht es wieder los! Das Wintertraining neigt sich dem Ende entgegen und es ist Zeit, seinen Motor wieder auf Renntempo hochzufahren. 

Oftmals werde ich gefragt, wie mein Wintertraining aussieht und ob ich im Winter trotzdem draussen radfahren gehe. Eine berechtigte Frage, gerade wenn man diesen garstigen und nassen Winter als Beispiel nimmt. Eine Frage aber auch, über die ich immer wieder schmunzeln muss, denn Sommersportler werden im Winter gemacht. Die Monate November, Dezember und Januar sind meine trainingsintensivsten Monate des ganzen Jahres – hin oder her ob es Petrus gut oder schlecht mit einem meint. 
Ja, manchmal ist es bestimmt etwas hart: Regen, Nebel, Kälte, viel Schlamm und Wind… Aber ich muss sagen, diese Bedingungen härten einem definitiv ab. Und wenn dann doch mal die Sonne grüsst oder das Flachland im Schnee liegt, sind die Strapazen vom widrigen Wetter schnell vergessen. Mit Training auf einem Hometrainer im Keller kann man mich jagen, dass mag ich gar nicht. Dann viel lieber wetterfest anziehen und die Natur geniessen. Das ist auch der Grund, wieso ich vor Jahren mit dem Bikesport angefangen habe und eine unglaubliche Passion dafür habe: Die ganz einfache Freude am Radfahren und der Bewegung in der Natur. Genau das kann ich über die Wintermonate stundenlang machen und geniesse es sehr. Startet man im November noch mit verhältnismässig wenig Fitness, ist das Gefühl umso schöner, wenn man Fortschritte im Training spürt und man sieht, wie sich seine Leistungsdaten stetig verbessern. 

Das Fundament für die nächste Saison lege ich durch Einheiten im Kraftraum und vielen Stunden auf dem Rad. Ungefähr die Hälfte der Trainings absolviere ich auf dem Rennrad, die andere Hälfte auf dem Mountainbike. Da sich das Training von Woche zu Woche stark unterscheidet, ist es sehr schwierig, alles pauschal zu sagen. In der Regel kann man sich meine Trainingswoche aber so vorstellen: An zwei bis drei Tagen absolviere ich zwei Einheiten täglich und kombiniere ein Krafttraining und ein eher kürzeres Radtraining (2-3h). An drei Tagen stehen lange Einheiten auf dem Rad auf dem Programm (4-6h). In welchem Tempo und welche Trainingsprogramme ich absolviere, entscheidet mein Trainer. Durch den täglichen Austausch können wir das Training dann noch genau anpassen, je nachdem, wie mein Körper auf die Trainingsreize anspricht. Beim Einhalten der Trainingszonen bin ich sehr sehr pingelig, weshalb ich den Grossteil meines Trainings alleine absolviere. So kann ich meine Trainings genau steuern und planen. Weniger penibel bin ich, was die Einhaltung der Trainingszeit betrifft. Da überziehe ich gerne ein bisschen, musste aber lernen, dass meine Chefs nicht sehr erfreut sind, wenn ich immer wieder Überzeit mache… Ein Tag in der Woche ist Ruhetag, wo ich komplett aufs Training verzichte oder 60-90 Minuten eine ganz lockere Runde auf dem Rad absolviere. Diese Tage nutze ich dann auch für die Physiotherapie oder Mentaltraining. 

Nach 12 Wochen Wintertraining zuhause geht’s jetzt in den Süden. Und ja, auch wenn widrige Wetterbedingungen abhärten, ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich freue mich nicht, die Winterklamotten endlich gegen Sonnencrème auszutauschen. Mein Programm bis im März in Kurzfassung: Teamtage und Teampräsentation, 2-wöchiges Trainingslager, Mediterranean Epic, nochmals ein 2-wöchiges Trainingslager, Andalucia Bike Race. Adiós Suiza, Hola España, ich melde mich dann aus dem Süden! Hasta pronto! 


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#1: Sommersportler werden im Winter gemacht!
#2: Ein unvergessliches Rennen!