News 2022

#12 : Weltmeisterschaft im flachen Dänemark

17.09.2022: Weltmeisterschaft MTB Marathon, Haderslev (DK)

Die Strecke in Dänemark ist ziemlich anders als ich es mir von den bisherigen Marathon-Rennen gewohnt war. Aufstiege suchte man wie erwartet vergebens. Aber auch wenn sich 1000 Höhenmeter auf knapp 90 Kilometer nach wenig anhört, war die Strecke brutal hart. Es ging ständig kleine Rampen hoch, wieder runter, links, rechts – kurz gesagt, es war ein sehr unrhythmisches und schnelles Rennen. 

Ich durfte mich mit Startnummer 7 in der zweiten Startreihe einstellen, was sehr von Vorteil war, ist bei diesem taktischen Rennen eine gute Position vorne im Feld entscheidend. Am Start kam ich sehr gut weg und war an zweiter Position. Danach fing die Laktatparty an. Aus jeder Kurve wurde herausbeschleunigt und jede kleine Rampe wurde heraufgesprintet, als komme gleich die Ziellinie. Es war ein ständiger Kampf um jede Position. 

Ich kämpfte bei der ca. 10-köpfigen Spitzengruppe um den Anschluss. Das Tempo war mir aber ein wenig zu schnell und so verlor ich den Anschluss. In der kleinen Verfolgergruppe schafften ich zweimal noch den Anschluss zur Spitze, ehe ich definitiv abreissen lassen musste. Ich gab alles, aber mir fehlten einfach ein paar Watt, um den Kontakt zu halten. 

Danach hatte ich aber während dem ganzen Rennen eine kleine Gruppe, in der ich fahren konnte, was bei den vielen Flachpassagen im starken Gegenwind ein grosser Vorteil war. Die Konstellation der Gruppe änderte sich ständig. Mal verlor jemand den Anschluss, mal konnte wieder jemand aufschliessen. Nach ca. 60 Kilometer kamen zwei Konkurrentinnen von hinten angerauscht, die sogleich ordentlich Druck machten. Meine Beine brannten, doch ich biss mich am Hinterrad fest. Bald waren wir nur noch zu dritt unterwegs, da die anderen dem Tempo Tribut zollen mussten. Aus dem Trio wurde dann ein Duo und 6 Kilometer vor Ziel griff ich an, liess meine direkte Konkurrentin stehen und holte nochmals alles aus mir heraus. Meine Beine und meine Lungen brannte, aber ich war gerade im Flow und konnte noch eine weitere Konkurrentin überholen und somit sehr zufrieden als 13. die Ziellinie überqueren. 


 

#11 : Von Arosa via Laax nach Davos

16.- 20.08.2022: Swiss Epic, Arosa/Laax/Davos

Während 5 Tagen ging es über 350 Kilometer und 12`000 Höhenmeter von Arosa via Laax nach Davos. Schon lange träumte ich von einem Start beim legendären Swiss Epic. Nun wurde der Traum endlich Realität. Das Swiss    Epic ist ein Rennen im Zweierteam, welches ich mit meiner Kollegin Debora Piana aus Italien in Angriff nahm. 

Etappe 1: Arosa – Arosa 

Zum Start des Rennens fuhren wir während 60 Kilometern rund um Arosa. Es warteten steile Aufstiege aber auch viele Singeltrails. Am Schluss der Etappe kämpften wir uns noch aufs Hörnli auf knapp 2500 Meter über Meer, wo man die dünne Bergluft ganz schön spürte. Dafür wurden wir mit einer 8km langen Abfahrt belohnt, auf welcher wir vom 4. auf den 3. Platz vorfahren konnten und uns so im Ziel über den ersten Podestplatz freuen konnten. 

Etappe 2: Arosa – Laax 

Zu Beginn der Etappe ging es direkt nochmals steil berghoch zur Hörnli-Hütte. Wir waren in Schlagdistanz zu den Leadern und freuten uns dann auf die Abfahrt bis runter nach Chur. Danach ging es mit viel Gegenwind durch die Rheinschlucht und dann hoch bis nach Laax. Wir kamen gut voran und überquerten die Ziellinie als zweitschnellstes Frauenteam. 

Etappe 3: Laax – Laax 

Auf diese Etappe habe ich mich sehr gefreut, ist Laax für mich wie ein zweites Zuhause. Wir hatten einen guten Tag und konnten bis Kilometer 50 mit dem Leaderduo mitgehen. Verloren wir teilweise im Aufstieg etwas Zeit, kamen uns die vielen Abfahrten zu Gute und wir konnten die Lücke immer wieder schliessen. Beim letzten steilen Aufstieg nach Startgels mussten wir schlussendlich abreissen lassen. Danach ging es via Runca Trail zurück nach Flims-Laax. Dieser Trail kannte ich in- und auswendig und so versuchte ich meiner Partnerin die schnellste Linie vorzufahren. Am Ende wartete nochmals ein kurzer Aufstieg ins Ziel, wo wir uns wiederum über den 2. Platz freuen konnten. 

Etappe 4: Laax – Davos 

Am Freitag stand die Königsetappe auf dem Programm: 100 Kilometer und 2800 Höhenmeter gab es zu absolvieren (Dank Dauerregen wird diese Etappe wohl jedem Teilnehmer noch etwas in Erinnerung bleiben;-). Wir verliessen Laax und machten uns auf den Weg nach Davos. Es sollte ein langer Tag werden und Petrus meinte es wirklich nicht gut mit uns. Ein Team machte am Anfang richtig Druck und so war das Tempo recht hoch. Wir blieben aber ruhig und konzentrierten uns darauf, nicht bereits am Anfang zu viele Körner zu verschiessen. Unsere Taktik ging auf. Bald schon distanzierten wir unsere Verfolger und konnten im Tal wieder zum Spitzenduo aufschliessen. Im strömenden Regen kämpften wir vier uns Kilometer für Kilometer weiter und all die Höhenmeter hoch nach Davos. Niemand vermochte sich abzusetzen und so kam es nach 100 Kilometer zum Sprint. Ich überquerte als erstes die Ziellinie. Da aber meine Partnerin hauchdünn vierte wurde, wurden wir schlussendlich wegen einer mickrigen Sekunde wieder 2., waren aber dennoch sehr zufrieden mit unserer Leistung. Nach über 5 Stunden Dauerregen freuten wir uns nur noch auf eines: die warme Dusche. 

Etappe 5: Davos – Davos 

Auf der Schlussetappe um Davos ging es darum, unseren 2. Platz in der Gesamtwertung sicher zu verteidigen. Alles fing super an und lief nach Plan. Die letzte Etappe war wunderschön: ein tolles Bergpanorama und Singeltrails vom Feinsten. Dann kam der Schreckmoment nach knapp 15 Kilometer. In einer schnellen Abfahrt spickte ein Kuhzaun zurück und knallte mit voller Wucht vorne in mein Bike. Die Startnummer zerschellte, was ja nicht weiter tragisch war. Ich griff an den Carbonrahmen: Glück gehabt, alles noch ganz und so fuhr ich im hohen Tempo weiter den Downhill hinunter. Der Schock kam bei der ersten Gegenrampe. Ich hatte meinen Schalthebel verloren! Und natürlich war ich im grössten Gang. Panik kam hoch. Doch aufgeben war keine Option und so kämpfte ich mich im grössten Gang über 10 Kilometer in die Techzone – rennend und im schwersten Gang irgendwie durchdrückend. Ich bekam fast Krämpfe in den Beinen. Doch bei Kilometer 27 konnten wir das Problem in der Techzone beheben und danach ging es auf die Aufholjagd. Wir verloren durch meinen Defekt sicherlich viel Zeit, konnten aber dennoch den 3. Rang in der Tageswertung holen und uns in der Gesamtwertung den 2. Platz sichern. 

 

Müde aber glücklich kamen wir also nach 5 Tagen im Ziel an und reisen mit vielen unvergesslichen Erinnerungen wieder heim. 




 

#10 : Die zweite Saisonhälfte ist lanciert

04.- 07.08.2022: Rothaus Bike Giro, Todtnau/Grafenhausen

Am Donnerstag ging es los auf die erste Etappe. Bei Temperaturen um die 35 Grad mussten 51Km und 1500Hm absolviert werden. Beim ersten Aufstieg nach knapp 8 Kilometern wurde bereits selektioniert und ich konnte mich etwas überraschend vom Rest des Feldes absetzen. Sollte ich also alleine durchziehen? Und so kam es, dass ich den Rest des Rennens alleine an der Spitze absolvierte und bereits am Tag 1 einen komfortablen Vorsprung von 4.5 Minuten zur Zweitplatzierten herausfuhr. Ins gelbe Leader-Trikot eingekleidet, war ich nun die Gejagte. 

Die Hitze vom Vortag machte mir mehr zu schaffen als gedacht. Am Freitagmorgen fühlte ich mich nicht wirklich fit. Nichtdestotrotz gab ich natürlich mein Bestes und je länger das Rennen dauerte, desto mehr kam ich auch in Fahrt. Ich hielt mich von Anfang an in der Spitzengruppe auf, diktierte in den Aufstiegen das Tempo, versuchte aber auch, etwas Körner für den Schluss zu sparen. Im letzten technischen Aufstieg attackierte ich und konnte nach 65 Kilometer wieder als Siegerin die Ziellinie überqueren. 

Während wir die ersten beiden Tage in Todtnau waren, wechselte der Start-/Zielort für die letzten beiden Tage nach Grafenhausen. Ich freute mich auf die „Königsetappe“ am Samstag, beinhaltete die Strecke nämlich die meisten technischen Passagen. Bis zum ersten längeren Aufstieg war es aber über 30Km sehr flach und unser Tempo glich einem gemütlichen Sonntagsfährtchen. Geduld war gefragt. Dann kam endlich der erste Aufstieg und ich drückte aufs Tempo, sodass wir nur noch zu fünft unterwegs waren. Ich genoss die technischen Abfahrten und in den Aufstiegen fühlte ich mich richtig gut, sodass eine Konkurrentin nach der anderen wegfiel. Bei der letzten steilen Rampe konnte ich auch noch die letzte Mitstreiterin stehen lassen und mit ein paar Sekunden Vorsprung einen weiteren Etappensieg einfahren. 

Am Sonntag standen noch die letzten 60 Kilometer auf dem Programm und für mich ging es vor allem darum, den Gesamtsieg sicher nach Hause zu fahren. Das Renngeschehen war genau wie an den anderen Tagen. Am ersten Berg drückte ich aufs Tempo und ich konnte mich mit einer weiteren Fahrerin absetzen. Die Abfahrten fuhr ich von der Spitze aus bewusst langsamer, um keinen Defekt zu riskieren. Dieses Mal gelang es mir nicht mehr, meine Konkurrentin abzuschütteln. So wurden die letzten 5 Kilometer flach ins Ziel zu einem taktischen Spielchen. Wir wollten natürlich beide nicht mehr im Wind fahren, um so viel Energie wie möglich für den Schlusssprint zu sparen. Ein Kilometer vor dem Ziel attackierte meine Konkurrentin und ich hatte nicht mehr genügend Kraft in den Beinen zum Kontern. So wurde ich auf der Schlussetappe 2. Den Gesamtsieg konnte ich aber mit über 15 Minuten und mehr zur Konkurrenz sicher nach Hause fahren. 




 

#9 : Hinfallen, Aufstehen und weiter geht`s

03.07.2022: Schweizermeisterschaft, Fribourg/Bulle

Die Schweizermeisterschaft war ein Rennen, welches ich im Rennkalender schon lange als sehr wichtig markiert hatte. Dort wollte ich eine gute Leistung zeigen und um das Trikot der Landesmeisterin kämpfen. 

Nach einem frühen Frühstück im Hotelzimmer ging es um 8 Uhr in Fribourg bereits los. Die ersten Kilometer führten neutralisiert durch das Stadtzentrum, bevor das Rennen nach gut 3 Kilometern freigegeben wurde. Danach führte uns eine 80 kilometerlange Strecke via die Berge „La Berra“ und „Gibloux“ ins Ziel nach Bulle. 

Die ersten 20 Kilometer waren relativ flach und beinhalteten nur ein paar kurze aber steile Rampen. Die Höhenmeter wurden zügig absolviert, aber das Tempo brach in den Flachpassagen immer wieder zusammen, manchmal fast bis zum Stillstand. So war das Feld lange beisammen, ehe wir uns dann doch zu dritt absetzten. Nach 20 Kilometer ging es in den langen Aufstieg zum Gipfel „La Berra“. Lange Zeit war alles noch gut bei mir und das Rennen unter Kontrolle. Doch dann passierte der Schlüsselmoment. Eine Konkurrentin griff am Ende des Aufstieges an. Wieso auch immer, ich kann es mir nicht erklären, zögerte ich einen Moment zu lange. Statt umgehend die Tempoverschärfung mitzugehen, war ich irgendwie „blockiert“, reagierte nicht und das Loch war da. Ich konnte zwar mit einem Kraftakt die Lücke nochmals schliessen, aber fast am Hinterrad, wurde der Abstand wieder grösser. Dieses Spiel wiederholte sich innert kürzester Zeit noch zwei Mal, ehe ich den Anschluss definitiv verpasste, meine Konkurrentin davonfuhr und ich im Kopf aufgab. 

Einen Augenblick des Zögerns, einen Augenblick nicht voller Selbstvertrauen reagiert, einen Augenblick völlig „neben den Schuhen“ gestanden und mein Rennen war gelaufen. Danach passte bei mir nicht mehr viel zusammen. Die Beine fühlten sich plötzlich schwer an und mental war ich nicht mehr in der Lage, mich auf das Rennen zu konzentrieren und an mein Limit zu gehen. So gab ich im Laufe des Rennens auch Silber kampflos aus der Hand. Ich wollte kämpfen, aber es ging einfach nicht mehr. 

So fuhr ich auf dem Bronzeplatz ins Ziel; ziemlich frustriert und enttäuscht über mich selber. Da wäre viel mehr möglich gewesen, aber ich konnte meine Leistung gestern nicht abrufen. Einmal hart hingefallen, heisst es jetzt, die Lehren daraus zu ziehen, das Rennen abhaken und dann positiv auf die zweite Saisonhälfte blicken. 




 

#8 : Silberne EM-Premiere

19.06.2022: Europameisterschaft MTB Marathon, Jablonné v Podještědí (CZE)

Das ich jeweils nervös bin vor Rennen, ist nichts Neues. Aber vor dem Start zur Europameisterschaft gestern war ich so nervös wie schon lange nicht mehr. Erst beim Einfahren mit meiner Teamkollegin Greete beruhigte ich mich ein wenig und konnte mich auf das Rennen konzentrieren. Es warteten 90 Kilometer und 2200 steile Höhenmeter auf uns. 

Das Frauenfeld war recht gross und sehr stark besetzt. Ich nahm mir vor, mich von Anfang an ganz vorne im Feld einzureihen, um bei einer Attacke gleich reagieren zu können. Zwar musste ich dadurch auch ein wenig im Wind fahren, konnte aber gleich bei jeder Tempoverschärfung mitgehen. Die ersten Kilometer waren ziemlich hektisch und forderten auch schon die ersten Sturzopfer. Ich kam aber gut durch. Wie erwartet wurde an den kurzen, aber steilen Aufstiegen ziemlich aufs Tempo gedrückt und so konnte ich mich schon bald mit der späteren Siegerin Natalia Fischer vom Rest des Feldes absetzen. Kurz darauf gesellte sich noch eine weitere Fahrerin zu uns und wir harmonierten in der Dreiergruppe gut, sodass wir uns einen komfortablen Vorsprung herausfahren konnten. 

Aus unserem Trio wurde bei einer Tempoverschärfung wieder ein Duo und ich war wieder alleine mit Natalia unterwegs. Ziemlich am Limit machte ich in einer kleinen steilen Rampe den einzigen Fahrfehler im ganzen Rennen und musste kurz vom Rad. Meine Konkurrentin wusste davon zu profitieren, griff an und schon war das Loch da. Ich konnte nicht mehr kontern und war somit ab Kilometer 55 alleine unterwegs. 

Es warteten nochmals viele steile Höhenmeter und ich versuchte, mein Tempo hochzuhalten. Dieser zweite Platz wollte ich auf keinen Fall mehr hergeben. Die letzten 5 Kilometer hatten es nochmals richtig in sich, warteten nochmals ein paar giftige Rampen. Irgendwie waren die bei der Besichtigung noch nicht so steil ;-). Doch ich durfte nicht nachlassen, mobilisierte meine letzten Kräfte und kämpfte mich die letzten Höhenmeter hoch. Dann kam das Schild „noch 500 Meter bis ins Ziel“. Ein Blick über die Schulter, von hinten kommt niemand. Noch 150 Meter bis ins Ziel – der letzte Kontrollblick. Aber es war keine Konkurrentin in Sicht. Da fiel der ganze Druck ab, ich riss meine Arme in die Höhe und durfte als Vize-Europameisterin die Ziellinie überqueren und meinem Team-Manager überglücklich um den Hals fallen. Vielen Dank Roli für all deine Hilfe!!! 




 

#7 : Kehrtwende in letzter Sekunde

05.06.2022: UCI Marathon World Series, Jelenia Góra (POL)

Nach drei guten Trainingstagen auf der Rennstrecke in Jelenia Góra, war ich bereit für das erste Eintagesrennen dieser Saison. Am Rennmorgen war ich so nervös wie schon lange nicht mehr und war froh, als es endlich losging. Da ich nicht wusste, wie gut mein Körper die lange Renndistanz schon wieder verträgt, setzte ich mir keine Ziele vor dem Rennen. Mein Plan war einfach, so lange wie möglich vorne in der Spitzengruppe zu bleiben; der Rest würde sich zeigen. 

Nach dem Start hatte es ein knapp 13km langes Flachstück, bevor wir an der 32km langen Runde ankamen, die wir zweimal zu absolvieren hatten. Ich positionierte mich in der Fläche an zweiter Stelle, damit ich vom Windschatten profitieren konnte, aber dennoch weit vorne war, um auf Tempoverschärfungen schnell reagieren zu können. Es funktionierte alles nach Plan und so konnte ich vor dem ersten Singeltrail angreifen und diesen von der Spitze aus in Angriff nehmen. Bald zersplitterte das Feld und wir waren nur noch eine Vierer-Spitzengruppe. 

Die spätere Siegerin machte bei jeder kleinen Rampe berghoch ziemlich Druck und so konnte bald nur noch ich ihrem Tempo folgen. Zu zweit absolvierten wir die erste Runde und konnten unseren Vorsprung vergrössern. In den Abfahrten ging ich meistens an die Spitze, da ich etwas stärker war und so immer wieder ein paar Meter herausfahren konnte. Dafür musste ich berghoch alles aus mir herausholen, um am Hinterrad zu bleiben. Anfangs zweiter Runde wurde mir ein Anstieg zum Verhängnis und ich musste die spätere Siegerin ziehen lassen. So absolvierte ich den Rest der zweiten 30km-Runde alleine. 

Am Schluss warteten nochmals 13 Kilometer, die mehr oder weniger flach ins Ziel führten. Meine Kräfte liessen etwas nach, doch ich wusste, dass ich auf keinen Fall nachlassen durfte, hatte ich doch eine Fahrerin im Nacken, die ich in der Fläche recht stark einschätzte. 

Doch es ging alles auf und ich konnte den zweiten Rang sicher ins Ziel fahren. Das Rennen gab nicht nur Zuversicht und Selbstvertrauen sondern auch noch viele UCI Punkte, wodurch ich auf Rang 8 der Weltrangliste klettern konnte. Nun geht es dann schon bald an meine erste Europameisterschaft. 




 

#6 : Sieg ohne Freudensprünge

22.05.2022: Argovia Cup Seon

Als kleiner Formtest im Hinblick auf die wichtigen Rennen im Juni und Juli, startete ich am Argovia Cup in Seon. Obwohl ich ohne Rennvorbereitung einfach aus dem Training raus das Rennen in Angriff nahm, war ich vor dem Start doch nervös. Nach krankheitsbedingtem Ausfall Ende April hatte ich im Training viel mehr Mühe als erwartet und so stand ich mit einigen Fragezeichen im Kopf an der Startlinie. 
Nach dem Start ging es in einem flotten Tempo die Startschlaufe hoch, ich welcher ich nicht gut positioniert war. So wurde ich in einer Kurve eingeklemmt und musste abbremsen. Danach konnte ich mich aber an die zweite Position setzen und bald schon die Führung übernehmen und mich mit einer Fahrerin vom Feld distanzieren. Ich versuchte vorne ein zügiges aber kontrolliertes Tempo vorzugeben, da ich nicht wirklich einen tollen Tag erwischte und nicht gleich am Anfang überziehen wollte. Zudem hatte ich ziemlich Mühe mit der Atmung und musste mein Tempo drosseln. 
Anfangs zweiter Runde attackierte dann meine Konkurrentin und ich musste sie gehen lassen. Am Ende des Aufstieges war ich fast wieder an ihrem Hinterrad, war aber so blau und ausser Atem, dass ich in der folgenden Abfahrt nicht mal mehr im Stande war, eine gerade Linie zu fahren und mit dem Lenker an einem Baum hängen blieb und einmal mit dem Boden Bekanntschaft machte. Ich entschied mich, fortan mein eigenes Rennen zu fahren und nicht auf "Teufel komm raus", alles zu riskieren. In der zweiten Rennhälfte wurde dann der Rückstand immer kleiner und ich konnte mich wieder an die Spitze des Feldes setzen und den Sieg sicher ins Ziel fahren. 
Das Gefühl während dem Rennen war nicht sonderlich gut und es fehlt noch ein Stück, um wieder in Topform zu sein. Somit konnte ich mich nicht wirklich über den Sieg freuen. Jetzt heisst es aber, nach vorne zu blicken und mich guten Mutes auf die nächsten Rennen vorzubereiten. Meine Motivation auf die bevorstehenden Saisonhighlights ist jedenfalls sehr gross! 


 

#5 : Inselhüpfer mit Höhen und Tiefen

19. - 23.04.2022: 4 Islands MTB Race (Kroatien)

Vier Inseln, 272 Kilometer, 5`900 Höhenmeter und unzählige Steine, das ist das 4 Islands in Kroatien, welches ich vor einer Woche mit meiner Teamkollegin Greete absolvierte. 

Auf der Insel Baska stand am Dienstag ein 13km langes Zeitfahren auf dem Programm, welches wir auf Rang 3 beendeten; mit Luft nach oben. 

Am Mittwoch starteten wir ebenfalls in Baska für die erste lange Etappe. Es war nicht unser bester Tag auf dem Bike und unsere Leistung war nicht die, die wir uns erhofften. Gegen aussen scheint der 2. Rang vielleicht sehr gut, wir waren aber dennoch enttäuscht darüber. Wir profitieren von Stürzen und Defekten anderer Teams und konnten aber mit unserer Performance nicht glücklich sein. Dies ist ein gutes Beispiel, wieso es mir im Sport nicht nur um Rangierungen geht. Um mit einem Rennen zufrieden zu sein zählt für mich die persönliche Leistung und nicht der Rang nach aussen. 

Für die Etappe 2 mussten wir am Morgen vor dem Start mit dem Auto und der Fähre auf die Insel Rab transferieren. Der Start war direkt aus der Fähre raus. Es war eine schnelle Strecke, die uns von Lopar nach Rab führte. Technisch schwierige Passagen suchte man vergebens, dafür gab es viele Schotterstrassen. Ich übernahm in der Fläche viel Führungsarbeit und so überquerten wir die Ziellinie in der Stadt Rab auf dem 2. Platz. Heute konnten wir uns über diese Platzierung freuen, war sie eigens verdient. 

Die Etappe 3 auf der Insel Cres wird wohl kein Teilnehmer so schnell vergessen. Es schüttete schon auf der Fährenfahrt wie aus Kübeln und war ziemlich garstig. Wiederum von der Fähre gestartet, erwartete uns zu Beginn ein steiler Aufstieg. Jedenfalls führte der dazu, dass man trotz Starkregen und kühlen Temperaturen ordentlich warm hatte. Auf dem Rest der Strecke fuhren wir durch unzählige knöcheltiefe Pfützen und über rutschige Steine. Wir hatten in den nassen Downhills unsere Freude, kamen gut voran und fuhren ein weiteres Mal auf den zweiten Platz. 

Für die Schlussetappe durften wir in Losinj zu Gast sein. Wir wollten nochmals 40km Vollgas geben und unseren zweiten Rang in der Gesamtwertung sicher ins Ziel bringen. Ich hatte 

super Beine und ging etwas zu euphorisch zur Sache. Mein Plan, die lange Singeltrail-Passage, auf welcher man nicht überholen konnte, von der Spitze aus in Angriff zu nehmen, ging zuerst gut auf. Leider fuhr ich aber etwas übermotiviert und viel zu schnell auf einen hohen Absatz zu: Plattfuss und gebrochene Felge bei Kilometer drei! Jetzt wurde es richtig hart für Körper und Kopf. Ich musste mich nun 12 Kilometer mit Plattfuss in die Feedzone schleppen. Wo immer möglich hielt ich mich am Trikot von Greete fest, damit wir etwas schneller vorankamen. Aber ja, trotz ihrer Hilfe und meinem Effort, 12 Kilometer auf der Felge kostete viel Zeit. Nach dem Radwechsel versuchten wir nochmals so schnell wie möglich ins Ziel zu fahren, aber leider hatten wir keine Chance mehr, den 2. Gesamtrang zu verteidigen. Im Ziel war ich ziemlich frustriert und enttäuscht über meinen unnötigen Fehler. Schlussendlich ergatterten wir uns in der Gesamtwertung noch den 3. Platz auf dem Podest. 

 

#4 : Zurück auf die Kurzdistanz

13.03.2022 & 03.04.2022: Swiss Bike Cup (Rickenbach) & Argovia Cup (Lostorf)

Momentan bereite ich mich auf die kommenden drei intensiven Rennmonate vor, in welchen zwei Etappenrennen und mehrere wichtige Eintagesrennen auf dem Plan stehen. Um die Beine dabei mal ordentlich zum Brennen zu bringen, startete ich trainingshalber an zwei Cross Country Rennen. 

 

Vor drei Wochen nahm ich beim Swiss Bike Cup in Rickenbach teil. Es erwartete uns eine neue Strecke mit vielen Höhenmeter aber nicht sonderlich vielen technischen Passagen. Am Start wurde erwartungsgemäss losgesprintet, was ich mir von den Marathonrennen nicht mehr so gewohnt war. Ich hatte etwas Mühe und verlor Plätze. Nach einer halben Runde war ich aber auch auf Betriebstemperatur und konnte mich schnell in die Top 10 nach vorne arbeiten. Mit konstanten Runden landete ich schliesslich auf dem 9. Rang. 

 

Gestern startete ich beim Argovia Cup in Lostorf. Ich mag das Rennen sehr und habe praktisch nur gute Erinnerungen daran. Etwas weniger Freude hatte ich beim Blick auf den Wetterbericht ;-). Aber ja, ändern lässt sich das Wetter nicht. Schlussendlich war es aber viel trockener als erwartet und die garstigen Temperaturen merkte man während dem Rennen kaum. 

Die erste Stunde des Rennens war zum Vergessen. Ich hatte keine Power in den Beinen und irgendwie wollte ich nicht so richtig in den „Rennmodus“ kommen. Der Gedanke, nochmals drei Runden fahren zu müssen, war nicht gerade motivierend. Da Aufgeben aber keine Option ist, kämpfte ich weiter. Und plötzlich, nach über einer Stunde, sprang mein Dieselmotor dann doch noch an. Ich kam immer besser in Fahrt und schaffte es tatsächlich, während den nächsten vierzig Minuten, mich von Platz 6 auf den zweiten Platz nach vorne zu kämpfen. 

 

#3 : Sechs Renntage und eine Überraschung

21. - 26.02.2022: Andalucia Bike Race, Jaén/Cordoba (Spanien)

Die letzte Woche stand das Andalucia Bike Race auf dem Programm. Dieses Rennen wurde im Zweierteam absolviert, was für mich eine völlig neue Erfahrung war. Zusammen mit meiner Teamkollegin Greete erreichten wir nach sechs Tagen, 358 Kilometern, 11`156 Höhenmetern und knapp 20 Stunden im Sattel den 4. Rang in der Gesamtwertung. 

Die ersten zwei Etappen führten uns durch die Welthauptstadt des Olivenöls Jaén. Die Landschaft ist wunderschön aber recht steil und so gab es viele Höhenmeter zu absolvieren. Für uns waren es zwei solide Tage, in welchen wir gegenseitig viel Lernen konnten, wie wir als Team am besten zusammenarbeiten. 

Die dritte Etappe war mit Start und Ziel in Andujar. Das Highlight der Etappe waren wunderschöne Singeltrailabfahrten, in welchen wir jeweils viel Zeit gut machen konnten, welche wir am Berg etwas eingebüsst hatten. 

Am Tag vier stand ein 30 Kilometer langes Zeitfahren auf dem Programm. Wie sich am Folgetag herausstellen wird, war dieser Tag für uns ein perfektes Einfahren für die längste Etappe. 

Am Freitag wartete also die Königsetappe auf uns. Wir gingen ganz bestimmt nicht als Topfavoritinnen ins Rennen. Nach einer soliden Startphase kämpften wir uns immer weiter nach vorne und konnten nach ca. 1 Stunde die Führung übernehmen. Im folgenden langen Aufstieg vergrösserten wir unseren Vorsprung und fuhren lange Zeit alleine an der Spitze. Bei Kilometer 60 erreichten wir das Herzstück der Etappe: ein 4 Kilometer langer Abschnitt über alte Bahngleise. Eine recht interessante und vor allem ruppige Erfahrung, mit dem Fahrrad über Gleise zu holpern. Auf diesem Abschnitt schloss das schweizerisch/südafrikanische Duo Lüthi/Wakefield wieder auf und so fuhren wir danach einige Kilometer zusammen. Wir konnten die beiden aber auf dem letzten Stück vor dem Ziel noch ein wenig distanzieren und uns nach 4 Stunden völlig überraschend den Tagessieg holen. Was für ein cooler Tag! 

Unserem Effort mussten wir am sechsten und letzten Tag zwar etwas Tribut zollen. Dennoch erreichten wir das Ziel in der Gesamtwertung auf dem 4. Platz und konnten wertvolle Erfahrungen für die nächsten Rennen sammeln. 

#2 : Der Saisonstart ist geglückt 

10. - 13.02.2022: Mediterranean Epic, Orpesa del Mar (Spanien)

Vom 10. bis 13. Februar nahm ich am Mediterranean Epic teil. Das erste Rennen der Saison und das erste Rennen im neuen Team ist immer etwas Spezielles. Es stand ein starkes Teilnehmerfeld am Start und so überraschte ich mich selbst doch ziemlich, dass ich in der Gesamtwertung hinter der Europameisterin und der Weltmeisterin auf das Podest steigen konnte. 

Am Tag 1 stand ein Einzelzeitfahren auf dem Programm – für mich eine völlig neue Erfahrung. Ich hatte einen super Tag und kam am Berg richtig gut voran. Als ich ausgepowert im Ziel ankam, glaubte ich zuerst gar nicht, dass ich wirklich 3. war, hatte ich doch der Weltmeisterin Richards eine Minute abgenommen. 

Am Tag 2 war ich von Anfang an in der Leadergruppe und führte das Rennen teilweise auch alleine an. Am Ende musste ich mich aber im Zielsprint gegen Richards geschlagen geben und landete wegen mickrigen Hundertstel auf dem undankbaren 4. Rang. 

Am Tag 3 stand die Königsetappe mit 93 Kilometern an. Die ersten 90 Minuten fuhr ich mit der Europameisterin Fischer alleine vorne weg, bevor ich dann aber den Anschluss verlor. Danach folgte eine lange, technische Abfahrt, wo ich mir einen Platten einfuhr. Ich konnte mich noch zur Techzone retten, rutschte aber auf Platz 3 zurück. Von da an kämpfte ich 2.5h alleine und sicherte mir ein weiteres Podest. 

Am Tag 4 ging es darum, den 3. Platz in der Gesamtwertung sicher ins Ziel zu bringen. Ich hatte auf der Schlussetappe nicht mehr viel Power und verlor an ungünstigen Stellen immer wieder den Anschluss zu den Führenden. Es reichte für den 4. Platz in der Tageswertung. Den 3. Platz in der Gesamtwertung konnte ich mir aber deutlich sichern. Und so durfte ich am Ende von vier harten Tagen nochmals mit der Europameisterin und der Weltmeisterin aufs Podest steigen und die Siegerehrung inklusive Feuerwerk so richtig geniessen. Der Saisonstart ist geglückt. 

#1 : Neue Saison - neues Team - neue Disziplin 

Es geht nicht mehr lange und die Saison 2022 startet. Auch wenn es hier in den letzten Wochen etwas ruhiger war, hat sich doch einiges getan. Es gibt in der neuen Saison einige Änderungen. 

Es freut mich sehr, zukünftig im Trikot des MTB Pro Merchandising Racing Team an den Start zu gehen. Das neue Rennbike habe ich schon ausgiebig getestet und auch die neu designten Trikots werden wir zum Saisonstart tragen. Neben dem Wechsel ins Team gibt es auch ein Wechsel der Disziplin. Da mir eine Renndauer von 90 Minuten im Cross Country je länger je mehr zu kurz wurde ;-), konzentriere ich mich fortan auf den Mountainbike Marathon. So wird es dieses Jahr viele Rennen geben, welche ich erstmals fahren werde. Ich bin gespannt was mich erwartet und freue mich sehr auf diese neuen Herausforderungen. 

In der Saison 2022 steht ein bunter Mix aus Eintages- und Mehrtagesrennen in ganz Europa auf dem Programm. Die wichtigsten Eintagesrennen finden mit den Schweizer-, Europa- und Weltmeisterschaften in Fribourg, Tschechien und Dänemark statt. Ein ganz persönliches Highlight steht im August auf dem Plan, wenn ich erstmals am Swiss Epic (Arosa, Laax, Davos) starte. 

Auf die ersten Renneinsätze muss ich aber nicht mehr lange warten. Am Freitag fliege ich nach Spanien, wo ich vom 10.-13.02. beim Mediterranean Epic in die neue Saison starte. Danach folgt eine Woche Training mit dem Team bevor ich zusammen mit meiner Teamkollegin Greete vom 21.-26.02. am Andalucia Bike Race teilnehme. 

Übersicht News 2022

# 1 : Neue Saison - neues Team - neue Disziplin
# 2 : Der Saisonstart ist geglückt
# 3 : Sechs Renntage und eine Überraschung
# 4 : Zurück auf die Kurzdistanz
# 5 : Inselhüpfer mit Höhen und Tiefen


# 6 : Sieg ohne Freudensprünge
# 7 : Kehrtwende in letzter Sekunde
# 8 : Silberne EM-Premiere
# 9 : Hinfallen, Aufstehen und weiter geht`s
#10: Die zweite Saisonhälfte ist lanciert
#11: Von Arosa via Laax nach Davos


#12: Weltmeisterschaft im flachen Dänemark